10/03: Weniger großes Kino. Auch genannt: Griff ins Klo.
Danke Mr Columbus, da haben Sie ja mal bewiesen, dass man Literaturverfilmungen auch so richtig schlecht machen kann. Ja ja, ich weiß, es ist immer heikel, sich einen Film anzusehen, wenn man das Buch dazu schon kennt - und mag. Aber das, was Sie mit Percy Jackson gemacht haben, grenzt an Blasphemie. Was würden die Götter dazu sagen?
Percy ist ein zwölfjähriger (zwölf! Nicht 16, wie Herr Columbus aus Versehen verstanden hat) Junge, der in New York lebt und sich, abgesehen von Legasthenie und ADHS, für ganz normal hält. Isser aber nicht, wie sich herausstellt, spätestens als seine Mathelehrerin sich in eine fliegende Furie verwandelt. Percy ist nämlich ein Halbgott - seine Mutter ist eine Sterbliche und sein Vater, wie Columbus uns langweiligerweise sofort verrät, Poseidon. Dummerweise gehört der aber zu den Mächtigen 3 (wer hier an drei-vier Hexen mit "P" denkt, liegt leider falsch), die da wären Zeus, Poseidon und Hades. Zeus hat vor Urzeiten deren Vater Kronos, einen Titanen, gestürzt, in 1000 Stücke geschlagen und in den Tartarus verbannt. Daraufhin wurde das Reich aufgeteilt: Zeus bekam den Himmel, Poseidon das Meer und Hades die Unterwelt. Dumm nur, dass Zeus' Herrscherblitz gestohlen wurde und dieser nun Percy verdächtigt - immerhin gab es unter den Großen 3 eine Abmachung, keine Kinder mehr mit Sterblichen zu zeugen. Das verheimlicht uns Herr Columbus aber, denn dann müsste er ja erklären, dass es eine Prophezeiung gibt, die die Götter auf dem Olymp leicht nervös macht. Er plant offenbar nicht, die anderen vier Bücher auch noch zu verfilmen...
Klingt irgendwie nach Harry Potter? Stimmt. Nur ganz anders. Klar, manche Dinge ähneln sich: der Loser wird zum Helden, ihm ist Großes vorherbestimmt, er hat zwei beste Freunde von denen Annabeth die Kluge und Grover eben etwas anders ist, es gibt eine Erzfeindin, einen Mentor, ein Endgegner zeichnet sich ab, das Ganze ist begrenzt auf fünf Bücher. Ach ja, und es beginnt als Kinderbuch und wird mit der Zeit erwachsener. Aber obwohl einem diese Parallelen am Anfang sehr bewusst sind, so entwickeln sich die Bücher sehr schnell sehr eigenständig. Und das nicht zuletzt dank der Griechischen Mythologie, die einfach total interessant, fesselnd und endlich mal greifbar ist.
Manchmal wäre ein bisschen mehr Harry Potter aber gar nicht schlecht gewesen, zum Beispiel, wenn man den Regisseur der ersten beiden Harry Potter-Verfilmungen an die Sache lässt. Der hat sich aber offenbar dazu entschieden, Rick Riordans Buch anders zu behandeln als die der Joanne K. Rowling und hat die komplette Handlung über den Haufen geworfen. Da wurden Personen gestrichen oder verändert, die im Folgenden noch große Rollen spielen (Clarisse, Thalia, Kronos) und die einfach die Coolness und den Witz der Bücher ausmachen (Dionysus, Ares, Charon, Cerberus). Die Handlung wurde so verändert, dass Percy nicht mit der Absicht, den Herrscherblitz zu finden, quer durch Amerika gurkt, sondern einzig und allein um seine Mutter aus der Unterwelt zurückzuholen. Das ist zwar ehrlich, aber auch ziemlich platt und nicht gerade gewissenhaft, soll doch ein Krieg unter den Großen 3 entstehen, wenn der Blitz nicht bis zur Sommersonnenwende auftaucht. Percy kommt ehrlich gesagt etwas eingebildet und pubertär rüber, während aus der sympathischen Besserwisserin Annabeth ein brutaler Xena-Verschnitt wurde. Schade.
Schade auch, dass den Charakteren die Tiefe genommen wurde, die sie im Buch haben. Das macht den Film zu einem Teenie-Actionfilm mit einer Prise Mythologie während das Buch eine humorvolle Mischung aus Fantasiewelt und Realität des Erwachsenwerdens ist. Grover bringt es auf den Punkt: Der Film ist "wie High School ohne Musical". Also blöd.
Tja, was macht ihn dennoch interessant? Die eigentlichen Großen 3, nämlich Pierce Brosnan als Zentaur mit ausladendem Pferdehintern, Uma Thurman im schwarzen Outfit mit Schlangen auf dem Kopf und der gutaussehende Poseidon Kevin McKidd, auch bekannt als rothaariger Arzt in Grey's Anatomy. - Die Götterstimmen aus dem Off hatten aber eher Fremdschämcharakter und ich schließe mich Kadda an, die meinte: wenn man gekonnt hätte, hätte man weggeschaltet. Oder wahlweise gebrochen.
Ich kann nur jedem empfehlen, sein Geld statt für Kino mal wieder für Bücher auszugeben. Die Percy Jackson-Welt ist einfach faszinierend, die deutschen Bücher kommen sogar mit einem Glossar zur Griechischen Mythologie daher, das die Englischen Taschenbücher nicht haben. Und wenn man erstmal drin ist, kommt man so leicht nicht wieder heraus ;-).
Letzten Endes hat sich Chris Columbus, so glaube ich, einfach nur vertan. Er hat das Buch wohl für ein Bollywood-Drehbuch gehalten, das in Amerika spielt. Nur ohne das Tanzen.
10/03: Weniger großes Kino. Auch genannt: Griff ins Klo.
Danke Mr Columbus, da haben Sie ja mal bewiesen, dass man Literaturverfilmungen auch so richtig schlecht machen kann. Ja ja, ich weiß, es ist immer heikel, sich einen Film anzusehen, wenn man das Buch dazu schon kennt - und mag. Aber das, was Sie mit Percy Jackson gemacht haben, grenzt an Blasphemie. Was würden die Götter dazu sagen?Für alle bedauernswerten Menschen, denen die Reihe "Percy Jackson & The Olympians" von Rick Riordan unbekannt ist:
Percy ist ein zwölfjähriger (zwölf! Nicht 16, wie Herr Columbus aus Versehen verstanden hat) Junge, der in New York lebt und sich, abgesehen von Legasthenie und ADHS, für ganz normal hält. Isser aber nicht, wie sich herausstellt, spätestens als seine Mathelehrerin sich in eine fliegende Furie verwandelt. Percy ist nämlich ein Halbgott - seine Mutter ist eine Sterbliche und sein Vater, wie Columbus uns langweiligerweise sofort verrät, Poseidon. Dummerweise gehört der aber zu den Mächtigen 3 (wer hier an drei-vier Hexen mit "P" denkt, liegt leider falsch), die da wären Zeus, Poseidon und Hades. Zeus hat vor Urzeiten deren Vater Kronos, einen Titanen, gestürzt, in 1000 Stücke geschlagen und in den Tartarus verbannt. Daraufhin wurde das Reich aufgeteilt: Zeus bekam den Himmel, Poseidon das Meer und Hades die Unterwelt. Dumm nur, dass Zeus' Herrscherblitz gestohlen wurde und dieser nun Percy verdächtigt - immerhin gab es unter den Großen 3 eine Abmachung, keine Kinder mehr mit Sterblichen zu zeugen. Das verheimlicht uns Herr Columbus aber, denn dann müsste er ja erklären, dass es eine Prophezeiung gibt, die die Götter auf dem Olymp leicht nervös macht. Er plant offenbar nicht, die anderen vier Bücher auch noch zu verfilmen...
Klingt irgendwie nach Harry Potter? Stimmt. Nur ganz anders. Klar, manche Dinge ähneln sich: der Loser wird zum Helden, ihm ist Großes vorherbestimmt, er hat zwei beste Freunde von denen Annabeth die Kluge und Grover eben etwas anders ist, es gibt eine Erzfeindin, einen Mentor, ein Endgegner zeichnet sich ab, das Ganze ist begrenzt auf fünf Bücher. Ach ja, und es beginnt als Kinderbuch und wird mit der Zeit erwachsener. Aber obwohl einem diese Parallelen am Anfang sehr bewusst sind, so entwickeln sich die Bücher sehr schnell sehr eigenständig. Und das nicht zuletzt dank der Griechischen Mythologie, die einfach total interessant, fesselnd und endlich mal greifbar ist.
Manchmal wäre ein bisschen mehr Harry Potter aber gar nicht schlecht gewesen, zum Beispiel, wenn man den Regisseur der ersten beiden Harry Potter-Verfilmungen an die Sache lässt. Der hat sich aber offenbar dazu entschieden, Rick Riordans Buch anders zu behandeln als die der Joanne K. Rowling und hat die komplette Handlung über den Haufen geworfen. Da wurden Personen gestrichen oder verändert, die im Folgenden noch große Rollen spielen (Clarisse, Thalia, Kronos) und die einfach die Coolness und den Witz der Bücher ausmachen (Dionysus, Ares, Charon, Cerberus). Die Handlung wurde so verändert, dass Percy nicht mit der Absicht, den Herrscherblitz zu finden, quer durch Amerika gurkt, sondern einzig und allein um seine Mutter aus der Unterwelt zurückzuholen. Das ist zwar ehrlich, aber auch ziemlich platt und nicht gerade gewissenhaft, soll doch ein Krieg unter den Großen 3 entstehen, wenn der Blitz nicht bis zur Sommersonnenwende auftaucht. Percy kommt ehrlich gesagt etwas eingebildet und pubertär rüber, während aus der sympathischen Besserwisserin Annabeth ein brutaler Xena-Verschnitt wurde. Schade.
Schade auch, dass den Charakteren die Tiefe genommen wurde, die sie im Buch haben. Das macht den Film zu einem Teenie-Actionfilm mit einer Prise Mythologie während das Buch eine humorvolle Mischung aus Fantasiewelt und Realität des Erwachsenwerdens ist. Grover bringt es auf den Punkt: Der Film ist "wie High School ohne Musical". Also blöd.
Tja, was macht ihn dennoch interessant? Die eigentlichen Großen 3, nämlich Pierce Brosnan als Zentaur mit ausladendem Pferdehintern, Uma Thurman im schwarzen Outfit mit Schlangen auf dem Kopf und der gutaussehende Poseidon Kevin McKidd, auch bekannt als rothaariger Arzt in Grey's Anatomy. - Die Götterstimmen aus dem Off hatten aber eher Fremdschämcharakter und ich schließe mich Kadda an, die meinte: wenn man gekonnt hätte, hätte man weggeschaltet. Oder wahlweise gebrochen.
Ich kann nur jedem empfehlen, sein Geld statt für Kino mal wieder für Bücher auszugeben. Die Percy Jackson-Welt ist einfach faszinierend, die deutschen Bücher kommen sogar mit einem Glossar zur Griechischen Mythologie daher, das die Englischen Taschenbücher nicht haben. Und wenn man erstmal drin ist, kommt man so leicht nicht wieder heraus ;-).
Letzten Endes hat sich Chris Columbus, so glaube ich, einfach nur vertan. Er hat das Buch wohl für ein Bollywood-Drehbuch gehalten, das in Amerika spielt. Nur ohne das Tanzen.
Fazit: Trau keinem, der Columbus heißt.